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Fachtag für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung

Presseinfo Nr. 109/2025
 

Auf Einladung des Kreises Olpe und des Integrationsfachdienstes der Reselve für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe fand kürzlich im Kreishaus ein Fachtag für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung statt.

16 Millionen schwerhörige Menschen in Deutschland

Die Organisatoren wiesen darauf hin, dass es nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes ca. 16 Millionen schwerhörige Menschen in Deutschland gibt. Etwa 140.000 davon haben einen Grad der Behinderung von mehr als 70 Prozent und sind auf Gebärdensprach-Dolmetscher angewiesen. Und ca. 3 Millionen Menschen leiden unter ständigen Ohrgeräuschen, dem Tinnitus.

Angebote bekannter machen

Die hohen Zahlen von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen waren Grund genug für die Organisatoren des Fachtages, auch im Kreis Olpe Hörbeeinträchtigungen besonders in den Blick zu nehmen. Mit dem Fachtag sollte erreicht werden, dass die vielen Beratungs-, Behandlungs- und Unterstützungsangebote für hörbeeinträchtigte Menschen bekannter werden und sich die Anbieter dieser Leistungen untereinander besser vernetzen.

Aktuelle Informationen

Der Fachtag startete mit aktuellen Informationen von Prof. Dr. Jonas Park vom Katholischen Krankenhaus Hagen und Inhaber des Lehrstuhls für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Universität Witten/Herdecke. Prof. Park ging speziell auf die Frage ein, wann ein Cochlea-Implantat das Hörvermögen deutlich verbessern kann, falls Hörgeräte nicht mehr ausreichen.

Prof. Dr. Park hob besonders die Bedeutung von Selbsthilfegruppen und -verbänden hervor, die Menschen mit Hörbeeinträchtigungen darin unterstützen, sich Hilfe zu organisieren und wertvolle Tipps aufgrund eigener Betroffenheit weitergeben.

Dr. Petra Lüdeke, niedergelassene Hals-Nasen-Ohren-Ärztin in Olpe, berichtete aus ihrem Praxisalltag und rief dazu auf, sich schon bei den ersten Anzeichen einer Hörbeeinträchtigung in fachärztliche Behandlung zu begeben.

Unterstützung für Schülerinnen und Schüler

Neben den Impulsen der Fachärzte stellten Alexandra Benner vom Integrationsfachdienst der Reselve und Henriette Braun von der LWL-Förderschule für Hören und Kommunikation Olpe die Unterstützung im Bereich der schulischen Bildung für Schülerinnen und Schüler mit Hörbeeinträchtigungen und -behinderungen sowie die Unterstützungsleistungen des Integrationsfachdienstes der Reselve im Prozess der beruflichen Orientierung vor.

Auswirkungen auf die soziale und berufliche Teilhabe

Marion Hölterhoff, Vorsitzende Chochlea Implantat Verband NRW e.V., berichtete aus eigener Erfahrung über das Leben mit einer Hörbehinderung und schilderte die Auswirkungen auf die soziale und berufliche Teilhabe. Marion Hölterhoff verwies auch auf die örtliche Selbsthilfegruppe die „Ohrwürmer“, für die Holger Bohlmann als Ansprechpartner im Kreis Olpe zur Verfügung steht.

Johanna Staljan, Integrationsfachdienst, und Thomas Wied, Fachkoordinator des Inklusionsamt Arbeit des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), ergänzten die Fachvorträge mit wichtigen Informationen zur Arbeitsaufnahme und Arbeitsplatzsicherung für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen.

Die Akustikerin Angelika Nawrotzki-Lorenz von Lorenz Hörgeräte informierte über die Versorgung von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen durch Akustiker.

Markt der Möglichkeiten

Neben den Vorträgen und Impulsen bestand ausreichend Möglichkeit, sich auf dem Markt der Möglichkeiten mit weiteren Beratungs- und Unterstützungsdiensten auszutauschen.

Die Organisatoren dankten dem LWL-Inklusionsamt Arbeit, dem  LWL-Inklusionsamt Soziale Teilhabe, der Agentur für Arbeit, der Beratungsstelle für Hörgeschädigte der Diakonie Soziale Dienste, der Pädagogisch-Audiologischen Beratungsstelle des LWL für hörgeschädigte Kinder und Jugendliche, der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstelle Siegen-Wittgenstein-Olpe, dem Cochlea Implantat Verband Nordrhein-Westfalen e.V. und der örtlichen Selbsthilfegruppe „Die Ohrwürmer“ sowie den Hörakustikunternehmen Nockemann Olpe und Hörgeräte Lorenz Lennestadt.

Angebote noch zu wenig bekannt

Der Fachtag machte deutlich, dass die vielen Angebote zur Unterstützung hörbeeinträchtigter Menschen noch zu wenig bekannt sind. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Fachtages zogen als Fazit, dass solche Veranstaltungen dazu beitragen, dass Menschen früher den Zugang zum Hilfesystem finden und die Teilhabemöglichkeiten in den unterschiedlichen Lebensbereichen verbessert werden können.

In Gebärdensprache übersetzt

Die gesamte Veranstaltung wurde in Gebärdensprache übersetzt. Die Gebärdensprachdolmetscherinnen dolmetschten auch die Gespräche mit den gehörlosen Menschen, die den Fachtag besuchten.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Fachtag geben die Behindertenbeauftragte des Kreises Olpe, Petra Lütticke (Tel. 02761 81-332; E-Mail p.luetticke@kreis-olpe.de), und Claudia Rueda, Leitung Integrationsfachdienst der Reselve (Tel. 0271 703252-61; E-Mail c.rueda@ifd-siegen-olpe.de).


Fachtag Hören © Kreis Olpe
Die Protagonisten des Fachtags für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung: Prof. Dr. med. Jonas Park, Johanna Staljan, Angelika Nawrotzki-Lorenz, Claudia Rueda, Petra Lütticke, Marion Hölterhoff, Dr. med. Petra Lüdecke, Alexandra Benner (vordere Reihe, von links) sowie Thomas Wied und Henriette Braun (hinten, von links). © Kreis Olpe
15.07.2025 

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