Luchs im Kreis Olpe nachgewiesen
Der Kreis Olpe informiert über einen seltenen Artnachweis: Ende Oktober wurde im Gebiet der Gemeinde Wenden ein Luchs nachgewiesen. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) bestätigte eine entsprechende Fotofallen-Aufnahme vom 30. Oktober. Wenige Tage später, am 3. November, wurde dasselbe Tier im Raum Meinerzhagen im Märkischen Kreis durch eine Wildkamera fotografiert.
Das von einem Jagdpächter zur Verfügung gestellte Foto aus dem Kreis Olpe wurde durch einen Luchs- und Wolfsberater unverzüglich vor Ort verifiziert und zur weiteren Auswertung an das LANUK weitergeleitet.
Nach Einschätzung von Experten aus angrenzenden Bundesländern handelt es sich bei dem Luchs um ein männliches Jungtier (Kuder) aus dem hessischen Reinhardswald. Die Mutter ist als Luchsweibchen aus dem Solling (Niedersachsen) und dem Reinhardswald bekannt.
Luchs-Monitoring
Der jüngste Fotonachweis aus dem Kreis Olpe ist ein weiterer, wichtiger Baustein im landesweiten Monitoring der streng geschützten Art. Im Rahmen dieses Monitorings können Wanderwege verfolgt und Erkenntnisse für effektive Schutzmaßnahmen gewonnen werden.
„Solche Hinweise aus der Bevölkerung sind für den Artenschutz von großer Bedeutung. Sie helfen, die Ausbreitung des Luchses sachlich zu dokumentieren und fundierte Erkenntnisse zu gewinnen“, betont die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Olpe
Um festzustellen, ob es sich bei verschiedenen Foto- und Videoaufnahmen um dasselbe Tier handelt, sind – anders als beim Wolf – nicht zwangsläufig DNA-Proben erforderlich. Jeder Luchs besitzt eine individuelle Fleckenzeichnung. Hochwertige Fotofallen-Aufnahmen – idealerweise von der Seite und vollständig – können daher ausreichen, um ein Individuum eindeutig zu identifizieren. Besonders aussagekräftig sind Aufnahmen beider Körperseiten.
Hintergrund: Eurasischer Luchs
Der Eurasische Luchs („Lynx lynx“) ist die größte europäische Wildkatzenart. Zu seinen typischen Merkmalen zählen die charakteristischen „Pinselohren“, ein kurzer Schwanz mit schwarzer Spitze sowie ein kräftiger Körperbau.
Luchse pflanzen sich einmal jährlich fort. Die Paarungszeit liegt im späten Winter. Nach einer Tragezeit von rund 70 Tagen bringt das Weibchen meist zwei bis drei Jungtiere zur Welt. Während Luchsweibchen in der Regel in der Nähe ihres Geburtsreviers bleiben, legen junge Männchen oft weite Wanderstrecken von bis zu 450 Kilometern zurück, um ein eigenes Revier zu finden. Diese weiten Wanderungen erklären auch die Sichtungen in unserer Region ohne feste Luchspopulation – wie aktuell im Kreis Olpe und im Märkischen Kreis.
Strenger Schutzstatus
Der Luchs steht in Deutschland und der EU unter einem strengen gesetzlichen Schutz. Zusätzlich wird die Art durch internationale Abkommen wie die Berner Konvention und das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützt. Jegliche gezielte Verfolgung, der Fang oder die Tötung von Luchsen sind verboten. Ebenso die Störung ihrer Lebensräume oder der Handel mit den Tieren.
Vorkommen in NRW und Deutschland
Der Luchs war in Deutschland über lange Zeit ausgerottet. Erst durch Wiederansiedlungsprojekte seit den 1990er Jahren und konsequenten gesetzlichen Schutz konnte die Art zurückkehren. Halbwegs stabile Populationen bestehen bislang im Harz, im Bayerischen Wald und im Pfälzerwald. Bundesweit wird die Zahl der erwachsenen Luchse aktuell auf etwa 170 bis 200 Tiere geschätzt.
In Nordrhein-Westfalen sind Luchsnachweise weiterhin selten. Meist handelt es sich um einzelne, wandernde Tiere aus benachbarten Regionen mit etablierten Beständen. Durch den im Vergleich zu den Männchen deutlich kleineren Ausbreitungsradius der Weibchen und die tendenziell niedrigere Anzahl weiblicher Jung-Luchse entwickeln sich neue Populationen nur langsam. Einen guten Überblick über die bundesweite Verbreitung bietet die „Luchskarte“ des Bundesamtes für Naturschutz: https://www.bfn.de/daten-und-fakten/luchsverbreitung-deutschland
Keine Gefahr für Menschen und Weidetierhalter
Experten betonen, dass von Luchsen keine Gefahr für Menschen ausgeht. Die Tiere sind äußerst scheu und meiden den Kontakt mit Menschen konsequent. In Europa sind keine dokumentierten Angriffe von Luchsen auf Menschen bekannt.
Auch für Weidetierhalter besteht kein Anlass zur Sorge. Luchse jagen fast ausschließlich im Wald. Selbst in Gegenden mit etablierter Luchspopulation sind Nutztierrisse extrem selten.
Hinweise gerne melden
Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Olpe und das LANUK bitten die Bevölkerung, weitere Spuren auf Luchse zeitnah zu melden. Jede Beobachtung – egal, ob Foto, Video, Trittsiegel oder Losung – trägt dazu bei, Wanderbewegungen nachvollziehen zu können und gezielte Schutzmaßnahmen weiterzuentwickeln.
- Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) – Bereich Wolfsmonitoring
E-Mail: luchs_nrw@lanuk.nrw.de
Telefon werktags von 9 bis 16 Uhr: 02361 305 3322
Außerhalb der Geschäftszeiten, an Wochenenden oder Feiertagen: Nachrichtenbereitschaftszentrale des LANUK NRW unter Telefon 0201 714488.
- Untere Naturschutzbehörde (UNB) Kreis Olpe – Ansprechpartner für Wolf und Luchs
E-Mail: naturschutz@kreis-olpe.de
Diese Pressemitteilung basiert auf einem Text des Märkischen Kreises.