Häusliche Gewalt bleibt großes Problem auch im Kreis Olpe. Netzwerk ruft zu Zivilcourage auf
Häusliche Gewalt ist und bleibt ein Thema im Kreis Olpe: Jedes Jahr veröffentlicht das „Netzwerk gegen häusliche Gewalt“ dazu Zahlen. Zu dem 2002 gegründeten Netzwerk gehören die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Olpe als Koordinatorin, die Kreispolizeibehörde, der Verein „Frauen helfen Frauen“ – der die Frauenberatungsstelle und das Frauenhaus betreibt –, die Jungen- und Männerberatungsstelle des Katholischen Sozialdienstes Olpe und viele weitere Einrichtungen, die mit häuslicher Gewalt in Berührung kommen.
Statistik der Polizei
Die Statistik der Kreispolizeibehörde für das Jahr 2025 stellte Simone Klewes, Kriminalhauptkommissarin und Opferschutzbeauftragte, vor. Die Polizei zählte 268 Vorgänge zum Thema häusliche Gewalt. Das waren geringfügig weniger als 2024 (282). Die Statistik umfasst naturgemäß nur die bekanntgewordenen Fälle. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen.
Das Polizeigesetz NRW ermöglicht der Polizei, gegen Tatverdächtige ein zehntägiges Rückkehrverbot in die gemeinsame Wohnung auszusprechen. Davon machte die Kreispolizeibehörde im vergangenen Jahr 109 Mal Gebrauch (2024: 93 Mal). Das Verbot gilt für zehn Tage und soll Opfern Zeit geben, sich Rat zu holen oder bei Gericht ein Annäherungsverbot zu beantragen.
Sowohl Opfer als auch Täter waren überwiegend erwachsen (bei den Opfern 79 Prozent, bei den Tätern 87 Prozent) und hatten die deutsche Staatsangehörigkeit (bei den Opfern 63 Prozent, bei den Tätern 61 Prozent). Drei Betroffene wurden bei den Taten schwer, 192 wurden leicht verletzt. 83 Betroffene blieben körperlich unverletzt.
In 71 Prozent der Fälle waren Täter und Opfer verheiratet oder lebten in Partnerschaft. In weiteren 19 Prozent der Fälle ging die Gewalt von Ex-Partnern aus. Immer noch betrifft häusliche Gewalt überwiegend Frauen: 64 Prozent der Opfer waren weiblich; 72 Prozent der Täter männlich.
Häusliche Gewalt ist kein eigener Straftatbestand: Für die Polizei fallen darunter zum Beispiel Körperverletzung, Stalking, Bedrohung, Nötigung, Freiheitsberaubung und sexuelle Übergriffe, sofern sie sich in einem häuslichen oder partnerschaftlichen/familiären Setting ereignen.
Statistik von „Frauen helfen Frauen e.V.“
Zahlen stellte auch der Verein „Frauen helfen Frauen“ vor, der in Olpe das Frauenhaus und die Frauenberatungsstelle betreibt. Die Beratungsstelle zählte 2025 insgesamt 1.609 Einzelberatungsgespräche persönlich oder am Telefon. Dazu kamen 247 Beratungen per E-Mail.
87 Prozent der ratsuchenden Frauen waren von Gewalt betroffen – körperlich, psychisch, sexualisiert und/oder digital. In 95 Prozent der Fälle waren die Täter männlich. „In vielen Fällen wird auch eine umfassende Gewaltproblematik deutlich“, betonte Anette Pfeifer von „Frauen helfen Frauen“. „Dazu gehört oft auch ökonomische oder soziale Gewalt, also die Kontrolle über alles.“
Nur fünf Prozent der Betroffenen sexualisierter Gewalt berichteten 2025 dem Verein von einem fremden Täter. In allen anderen Fällen handelte es sich nach Schilderung der Frauen um Partner, Ex-Partner, Verwandte, Bekannte oder professionelle Helfer.
Das Frauenhaus konnte im vergangenen Jahr 41 Frauen und 45 Kindern als Zuflucht vor Gewalt dienen. Von diesen wohnte zuvor niemand im Kreis Olpe: In der Regel suchen Betroffene weit entfernt vom bisherigen Umfeld ein Schutzhaus, um Sicherheit und Distanz zu schaffen. 97 Hilfegesuche musste das Frauenhaus 2025 ablehnen – meist, weil alle Zimmer belegt waren.
Da die Bewohnerinnen in aller Regel über kein oder nur ein nur sehr geringes Einkommen verfügen, war die durchschnittliche Verweildauer im Frauenhaus relativ hoch: 34 Prozent der Frauen blieben dort bis zu drei Monate, weitere 22 Prozent zwischen einer Woche und einem Monat. Sozialpädagogin Vanessa Dorn sprach auch den Mangel an bezahlbarem Wohnraum an: „Keine bezahlbare Wohnung zu finden erschwert es vielen Frauen, sich aus einer gewalttätigen Beziehung zu befreien.“
Statistik der Männerberatung
Um auch Männern in Lebenskrisen einen Anlaufpunkt zu bieten, betreibt der Katholische Sozialdienst im Kreis Olpe die Jungen- und Männerberatungsstelle „Echte Männer reden“. Diese zählte 2025 insgesamt 63 Klienten mit zusammen 224 Kontakten. Zwei qualifizierte Berater teilen sich für diese Aufgaben eine halbe Stelle, wodurch zusätzliche Präventionsarbeit kaum möglich ist.
Alle ratsuchenden Männer und Jungen schilderten den Beratern Lebenskrisen unterschiedlicher Ursachen, von Trennung über Gesundheitsprobleme und Arbeitsplatzverlust bis hin zu Straffälligkeit oder Schulden. Die Altersgruppe der 26- bis 40-Jährigen war am stärksten vertreten (50 Prozent).
Die Beratungsstelle arbeitet auch mit Männern, die Täter häuslicher Gewalt geworden sind. Dies war 2025 bei 25 Prozent der Klienten der Fall. Fünf Prozent waren selbst Opfer häuslicher Gewalt geworden.
Netzwerk ruft zu Zivilcourage auf
Viele Menschen, die Opfer von Gewalt werden, schaffen es nicht allein, sich aus ihrer Lage zu befreien. Die Polizei zu rufen oder einen gewalttätigen Partner anzuzeigen erscheint vielen Betroffenen unmöglich – sei es aus Scham oder auch aus Angst vor Rache. Doch Hilfe kann es auch für diese Betroffenen geben: durch Zivilcourage von Zeuginnen und Zeugen, zum Beispiel aus der Nachbarschaft.
Die Netzwerkpartner richten daher einen Appell an alle Menschen im Kreis Olpe: „Wenn Sie einen eskalierenden Streit hören oder andere Anzeichen wahrnehmen, dass in einer Beziehung Gewalt ausgeübt wird: Rufen Sie die Polizei. Das entlastet Opfer von der Verantwortung, diesen Schritt selbst gehen zu müssen und sendet an Opfer und Täter die klare Botschaft: Was hier geschieht, ist nicht in Ordnung und es bleibt nicht verborgen.“
Kontakte der Hilfestellen
- Frauenberatungsstelle Olpe, Friedrichstraße 24, Tel.: 02761-1722, E-Mail: info@frauenberatungsstelle-olpe.de, Website: www.frauenhelfenfrauen-olpe.de
- Frauenhaus Olpe, Tel: 02761-834 684, E-Mail: frauenhausolpe@gmx.de, Website: www.frauenhelfenfrauen-olpe.de
- Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (www.hilfetelefon.de) ist bundesweit rund um die Uhr kostenlos unter Tel.: 116 016 erreichbar. Bei Bedarf werden Dolmetscherinnen für 17 Sprachen zum Gespräch hinzugeschaltet.
- Jungen- und Männerberatung: https://www.ksd-olpe.de, Tel.: 02761-83680.