Fachtag im Kreishaus Olpe schärft den Blick für FASD – Frühe Hilfen setzen wichtiges Zeichen für Aufklärung und Vernetzung
Presseinfo Nr. 076/2026
Wie können Kinder mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) frühzeitig erkannt werden? Wie gelingt es, betroffene Familien passgenau zu begleiten und wie lässt sich FASD von vornherein vorbeugen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein Fachtag im Kreishaus Olpe, zu dem die Frühen Hilfen des Kreises Olpe eingeladen hatten. Unter dem Titel „FASD verstehen, begleiten, vorbeugen – Chancen der Frühen Hilfen" kamen zahlreiche Fachkräfte aus Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Bildung, Beratung und weiteren Institutionen zusammen. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und wurde von den Teilnehmenden im Nachgang durchweg positiv bewertet.
Ein Thema mit hoher gesellschaftlicher Relevanz
FASD – die Abkürzung steht für Fetale Alkoholspektrumstörungen – entsteht durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft und zählt zu den häufigsten angeborenen Behinderungen überhaupt, ist in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch nach wie vor wenig präsent. Betroffene Kinder können mit einer Vielzahl körperlicher, kognitiver und psychischer Beeinträchtigungen zur Welt kommen, die sich oft ein Leben lang auswirken: von Lernschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsstörungen bis hin zu Problemen bei der sozialen Orientierung.
Da die Störung äußerlich häufig nicht eindeutig erkennbar ist, wird sie in Kitas, Schulen, Beratungsstellen und selbst innerhalb des medizinischen Sektors oft zu spät oder gar nicht diagnostiziert. Genau an diesem Punkt setzte der Fachtag an: Ziel war es, das Bewusstsein für die Auswirkungen einer pränatalen Alkoholexposition zu schärfen, fundiertes Fachwissen zu vermitteln und den fachübergreifenden Austausch zwischen den verschiedenen Professionen zu fördern, die in ihrem Berufsalltag mit betroffenen Kindern und Familien in Kontakt kommen.
Renommierter Experte erläutert medizinische Grundlagen
Den fachlichen Auftakt der Veranstaltung gestaltete Prof. Dr. Hans-Ludwig Spohr, der als einer der profiliertesten Experten auf dem Gebiet der FASD-Forschung im deutschsprachigen Raum gilt. In seinem Vortrag beleuchtete er die medizinischen Grundlagen der Störung, ging auf die Herausforderungen einer sicheren Diagnostik ein und stellte anschaulich dar, mit welchen langfristigen Auswirkungen betroffene Kinder und ihre Familien im Alltag konfrontiert sind. Sein Vortrag lieferte den Teilnehmenden nicht nur theoretisches Hintergrundwissen, sondern auch konkrete Anhaltspunkte, worauf in der eigenen fachlichen Praxis geachtet werden sollte, um FASD frühzeitiger zu erkennen.
Bewegender Einblick in ein gelebtes Leben mit FASD
Einen der emotionalen Höhepunkte des Fachtages bildete der autobiografische Vortrag von Tim Puffler und seiner Mutter, Monika Reidegeld. Mit bemerkenswerter Offenheit gewährten sie Einblicke in ihren gemeinsamen Lebensweg und schilderten, wie sich die Diagnose FASD auf ihren Alltag, ihre Familie und ihre Beziehung zueinander ausgewirkt hat. Dabei sparten sie weder die Herausforderungen noch die Rückschläge aus, machten aber ebenso deutlich, dass ein selbstbestimmtes und gelingendes Leben mit FASD möglich ist. Vorausgesetzt, Betroffene erhalten frühzeitig die richtige Unterstützung und ihr Umfeld verfügt über das notwendige Verständnis für die Störung. Im Publikum sorgte der persönliche Bericht für sichtliche Betroffenheit und wurde im Anschluss als besonders eindrücklich hervorgehoben.
Interaktiver Austausch für die tägliche Praxis
Im weiteren Verlauf des Fachtages boten mehrere interaktive Austauschrunden Raum für Diskussionen und den fachlichen Erfahrungsaustausch und die Entwicklung gemeinsamer Ideen, wie die Unterstützung betroffener Familien in der Praxis verbessert werden kann.
Dabei kristallisierte sich ein zentrales Ergebnis heraus: Nur durch eine enge, verlässliche Vernetzung der unterschiedlichen Professionen lassen sich betroffene Kinder und ihre Familien frühzeitig identifizieren und bedarfsgerecht begleiten. Mehrere Teilnehmende betonten zudem, wie wichtig es sei, das Thema FASD auch in der Ausbildung angehender Fachkräfte stärker zu verankern.
Durchweg positive Resonanz
Die Rückmeldungen zum Fachtag fielen insgesamt sehr positiv aus. Viele hoben besonders die gelungene Verbindung aus wissenschaftlichem Fachwissen, persönlichen Erfahrungsberichten und praxisorientiertem Austausch hervor – eine Kombination, die selten in dieser Form angeboten werde. Die große Nachfrage und die durchweg positive Resonanz bestätigten aus Sicht der Organisatoren den hohen Bedarf an weiteren Fortbildungs- und Vernetzungsangeboten zu diesem bislang eher randständig behandelten Thema.
Frühe Hilfen wollen Vernetzung im Kreis weiter ausbauen
Organisiert wurde der Fachtag von der Koordination der Frühen Hilfen des Kreises Olpe. Die Frühen Hilfen richten sich grundsätzlich an Familien in der Zeit rund um Schwangerschaft und früher Kindheit und sollen frühzeitig Unterstützung anbieten, bevor sich Problemlagen verfestigen.
Mit dem Fachtag verfolgten die Frühen Hilfen das Ziel die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteurinnen und Akteure weiter auszubauen. Denn eine frühzeitige Sensibilisierung von Fachkräften und ein gut vernetztes, funktionierendes Hilfesystem, so die einhellige Überzeugung der Veranstalter, können entscheidend dazu beitragen, betroffene Kinder und deren Familien nachhaltig zu unterstützen und ihnen so bessere Chancen auf ein gelingendes Leben zu ermöglichen.
Interesse an einer Mitwirkung?
Fachkräfte, die sich für eine Zusammenarbeit mit den Frühen Hilfen im Kreis Olpe interessieren, können sich an folgende Ansprechpartnerin wenden:
Sandra Kolodziej
Koordination Frühe Hilfen des Kreises Olpe
E-Mail: fruehe-hilfen@kreis-olpe.de
Telefon: 02761 81-725